Die Geschichte eines Traditionsunternehmens

Ein Rückblick von Leonhard Siebenwurst

Siebenwurst 1897Mein Großvater Leonhard Siebenwurst (1846–1913) grün­dete am 19. Mai 1897 eine Modell­schrei­nerei in Nürnberg. In der Fabrik­straße 38 begann er mit einem Gehilfen und einer Drehbank mit Handbetrieb. Er pro­du­zier­te Holzmodelle, um Teile aus Eisen­guss her­stellen zu können. Bei seinem Tod am 15. Juli 1913 waren acht Modellschreiner in der Firma beschäftigt.

Außerdem arbeitete mein Großvater einem Verwandten zu, Herrn Maurer, Inhaber der Firma „Maurer Motorfahrzeugfabrik Union“. Dieses Unternehmen hat die ersten Motorfahrzeuge in Nürnberg gebaut. Die ersten Autos hat Maurer bereits vor der Jahrhundertwende ausgeliefert.

Nach dem Tod meines Großvaters leitet meine Großmutter die Firma, bis ihre beiden Söhne Karl Christian und Johann Friedrich die Firma übernahmen. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts trennte sich mein Vater Karl Christian Siebenwurst von seinem Bruder und eröffnete eine eigene Modellbaufirma am Standort Nürnberg-Wörth. 1940 verlegte mein Vater den Modellbau innerhalb Nürnbergs zum Celtisplatz südlich des Hauptbahnhofs. Die Zahl der Modellbauer hatte bis dahin ca. 40 Leute erreicht. Dann erfolgten die totale Zerstörung im März 1943 und daraufhin die Wiederaufnahme der Arbeit in einer Ausweichhalle.

Diese wurde Ende 1943 ebenfalls komplett zerstört, dabei wurden alle Dokumente ver­nich­tet. Bis Ende 1943 wurden für Windkanal-Strömungsmessungen 1:1-Gießereimodelle von Messerschmidt-Flugzeugen aus Holz gefertigt. Nach der totalen Zerstörung des Nürnberger Werks begann Ende 1943 die Verlagerung des Betriebs nach Dietfurt. Etwa 25 Nürnberger Mitarbeiter sind mit nach Dietfurt gegangen. Die Arbeiten begannen in einer Holzbaracke.

Bei Kriegsende 1945 brach zunächst die Gießerei zusammen, so dass mein Vater sich auf Schreinerarbeiten verlegte und z. B. Fenster und Türen fertigte. Etwa Ende der 40er Jahre entstand wieder Bedarf an Gießereimodellen, und die Fertigung bei uns begann wieder. Die Zahl der Modellbauer bei Siebenwurst stieg wieder, und wir begannen sehr früh mit der Lehrlingsausbildung. Die ersten Modellbauer bildeten wir  schon in den 40er Jahren aus. Der erste Meister war Herr Biller, der aus Nürnberg nach Dietfurt mitgegangen ist. In den frühen 50er Jahrenbaute Siebenwurst dann für Großserien die ersten Gießereimodelle aus Aluminium. Hieraus hat sich der Formenbau mit Werkzeugen aus Stahl entwickelt. Als erstes wurden Kokillen aus Grauguss und Stahl zum Gießen von Alu-Kokillenguss-Teilen gefertigt.

Daraus ist dann Ende der 50er Jahre der Formenbau für Kunststoffformen entstanden. Zunächst fertigte Siebenwurst Press-, später dann auch Spritzformen. Diese Sparte ist dann sehr schnell gewachsen, so dass Hallen gebaut werden mussten. Vor allem musste in Kopier- und Fräsmaschinen investiert werden. Die Ausbildung von Lehrlingen wurde verstärkt. Somit hatten wir häufig für die 3½ Jahrgänge 40–45 Lehrlinge.

Heute ist unser Betrieb auf rund 390 Mitarbeiter gewachsen und ist einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Unseren Mitarbeitern geben wir Perspektiven und sichere Arbeitsplätze. Mit unseren Produkten gehören wir zu den wichtigsten und besten der Branche. Aus dieser Historie heraus ergibt sich unser Leitbild: „Wir sind der kompetenteste Problemlöser für unsere Kunden vom Designmodell bis in die Serienproduktion“.